Die steigenden Kosten der Energiewende

Datum 16.02.2026 17:18 | Thema: Klima und Energiewende

Die steigenden Kosten der Energiewende

Als die rot-grüne Bundesregierung am 1. April 2000 das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Kraft setzte, warb sie mit dem Versprechen, „dass Sonne und Wind keine Rechnungen schicken, sondern als Geschenk des Himmels von jedem genutzt werden können“. Jürgen Trittin, der damalige Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und der Erfinder des EEG, versprach damals sogar, für jeden Bürger würde die Energiewende im Monat nicht mehr als eine Kugel Eis kosten. 

Offensichtlich startete man dieses Projekt ganz bewusst als „Blindflug“, ungeachtet der staatlichen Verantwortung für eine sichere und kostengünstige Stromversorgung. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Es gibt für die Umsetzung des Projekts der ökologischen Energiewende weder einen konkreten Handlungsplan noch eine seriöse Kosten-Nutzen-Schätzung. Die damit beschäftigten Politiker und Beamten sind deshalb auch nicht in der Lage, zu den Kosten dieses Mega-Vorhabens substantielle Aussagen zu machen.

Dabei weiß inzwischen jeder, dass die Energiewende in den vergangenen Jahren immer teurer geworden ist. Anhand von Zahlen, die das Energiewirtschaftliche Institut (EWI) an der Universität zu Köln kürzlich ermittelt und über die Hanna Decker in FAS vom 15. Februar 2026 berichtet hat, lässt sich nun sagen, um wieviel die Energiewende in Deutschland teurer geworden ist: Während die Ausgaben für das Stromsystem zwischen 2010 bis 2017 jährlich im Schnitt um 0,7 % stiegen, betrug die jährliche Steigerung seit 2018 inflationsbereinigt 8,1 %. Das bedeutet, dass im Jahr 2010 17 Cent je Kilowattstunde – in Preisen von 2024 – ausgegeben wurden, während es zuletzt schon 30 Cent waren. 


Die Analyse des EWI

Für seine Kostenanalyse hat das EWI sämtliche Zahlungen von Stromverbrauchern (Haushalte, Industrie etc.) und der öffentlichen Hand an die Unternehmen des Stromsystems (Energieversorger, Netzbetreiber etc.) erfasst. Als Grundlage für das, was Deutschland das Gesamtsystem „aus Erzeugung, Übertragung, Verteilung und Vertrieb von Strom jedes Jahr kostet“, sind diese Zahlen äußert aufschlussreich. Und sie zeigen nicht nur, wie stark die Kosten gestiegen sind, sondern auch, „wie sich private Haushalte, Industrie und Steuerzahler die Last aufteilen“ (Anna Deckers). 

Für den starken Anstieg dieser Ausgaben nennt EWI drei Gründe: 
•    Erstens haben sich die Ausgaben für Brennstoffe wie Kohle und Gas seit 2018 in etwa verdoppelt. Der Gaspreis zum Beispiel liegt seit dem Ende der Energiekrise bei etwa 35 Euro je Megawattstunde, was eine Verdoppelung des Preises vor dem russischen Angriff auf die Ukraine bedeutet, als russisches Gas über die Nordstream-Pipelines nach Europa strömte. 
•    Ein zweiter Grund ist der europäische Emissionshandel, in dessen Rahmen die Betreiber von Kohle und Gaskraftwerken Zertifikate für jede ausgestoßene Tonne Kohlenstoffdioxid erwerben müssen. Dieses Klimainstrument, das es seit 2005 gibt, kostete anfangs fünf Euro je Tonne Kohlenstoffdioxid. Als die EU jedoch im Jahr 2017 begann, dem Markt überschüssige Zertifikate zu entziehen, ging der Preis  
für die Zertifikate steil bergauf: Im Frühjahr 2023 überstieg er erstmals die Marke von 100 Euro. Während die Stromerzeuger im Jahr 2017 für die Zertifikate nur 1,8 Milliarden zahlen mussten, waren es im Jahr 2023 schon 13,4 Milliarden Euro. Das spiegelte sich bald in den Strompreisen wider, weil die Stromerzeuger diese Kosten an die Verbraucher weitergaben.
•    Der dritte Grund für den starken Anstieg der Ausgaben hängt mit dem starken Rückgang des Stromverbrauchs zusammen. Das hat verschiedene Gründe: Die Anwendungen werden effizienter, immer mehr Verbraucher sind auch Stromerzeuger und energieintensive Industriebetriebe haben ihre Produktion gedrosselt oder ganz eingestellt. 

Daraus aber den Schluss zu ziehen, dass bei weniger Strom auch die Kosten sinken, ist nur insoweit richtig, als die Brennstoff- und CO2-Kosten konventioneller Kraftwerke zurückgehen. Bei den regenerativen Energien ist das aber nicht der Fall, weil der Anteil der variablen Kosten beim Stromnetz und bei den Systemkosten deutlich geringer ist. 

In anderen Worten: Die Netzleitungen verursachen anders als Kohle- und Gaskraftwerke auch dann hohe Kosten, wenn sie nicht voll ausgelastet sind. Hinzu kommt, dass die Netzbetreiber immer mehr Geld in die Hand nehmen müssen, um ihre Netze fit für die Energiewende zu machen. 

Beides zusammen wirkt sich stark auf die Struktur der Systemausgaben aus: Seit dem Jahr 2010 ist der Anteil der Netz- an den Gesamtausgaben von drei auf neun Cent gestiegen. Insgesamt geht nun gut ein Viertel aller Ausgaben im Gesamtsystem für den Betrieb und Ausbau der Netzleitungen drauf – Tendenz weiter steigend. 

Die Verteilung der Lasten

An die Analyse der Kosten schließt sich die Frage an, wer für die gestiegenen Kosten eigentlich aufkommt. Auch hierzu enthält der Kostenanalyse des EWI Aussagen: Bis zum Jahr 2020 wurden sämtliche Systemkosten gemäß dem Verursacherprinzip ausschließlich von den Verbrauchern getragen – also von den privaten Haushalten, dem Gewerbe und der Industrie.

Doch danach begann der Staat, ihnen immer stärker unter die Arme zu greifen: 
•    Zuerst schaffte er die EEG-Umlage ab und verlagerte diese Kosten in den Bundeshaushalt, beziehungsweise den Klima- und Transformationsfonds (KTF). Allein diese Zuschüsse beliefen sich zuletzt auf 19,2 Milliarden Euro. 
•    Im Jahr 2023 deckelte die Regierung dann die Kosten mit Hilfe der „Strompreisbremse“. Damit übernahmen die öffentlichen Haushalte in den Jahren 2023 und 2024 somit knapp ein Viertel aller Ausgaben für die Stromerzeugung und den Vertrieb. 
•    Hinzu kam im Jahr 2023 ein Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten aus dem Klima- und Transformationsfonds, so dass der Bund in dem Jahr gut ein Drittel aller Ausgaben für das Stromnetz übernahm.  
•    Von den verbleibenden privaten Ausgaben entfielen im Jahr 2024: 44 Prozent auf die privaten Haushalte, 36 Prozent auf das Gewerbe einschließlich Handel und nur 20 Prozent auf die Industrie, obwohl sie fast so viel Strom verbrauchte wie die ersten beiden Sektoren zusammen.  Das liegt laut EWI daran, dass die Industrie von zahlreichen Abgaben und Umlagen befreit ist. 

Vergleicht man alle öffentlichen Einnahmen und Ausgaben für das Stromsystem miteinander, nahm der Staat bis zum Jahr 2022 mit der Versteigerung von CO2-Zertifikaten, Konzessionsabgabe sowie Mehrwert- und Stromsteuer im Schnitt fünf bis sechs Cent je Kilowattstunde mehr ein, als er mit Zuschüssen ausgab. Dieser Saldo ist im Jahr 2024 auf 1,8 Cent geschrumpft. 

Das EWI hält es für möglich, dass sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren fortsetzt: 
•    Für dieses Jahr hat der Bund abermals einen Zuschlag zu den Übertragungsnetzentgelten in Höhe von 6,5 Milliarden Euro versprochen. 
•    Hinzu kommen weitere Hilfen für energieintensive Betrieb. Darunter die geplante Ausweitung der Strompreiskompensation sowie der Industriestrompreis.  

Auf der anderen Seite ist mit einem weiteren Anstieg der CO2-Preise und der EEG-Zahlungen zu rechnen. Außerdem dürften die notwendigen Investitionen der Netzbetreiber die Systemausgaben weiter in die Höhe treiben. 

Eine stärkere Inanspruchnahme des Steuerzahlers ist deshalb gewiss. 
   





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