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Fakten zur Energiewende
16.06.2017 22:42 (726 x gelesen)

Fakten zur Energiewende

Deutschland geht international in der Energiepolitik einen Sonderweg. Neben dem Ausstieg aus der Kernenergie wird der Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien wie Sonne und Wind massiv gefördert und gesteuert, um die Klimabelastung durch Reduzierung der CO2-Emissionen zu senken. 

Aktuell ist nicht zu erkennen, dass irgend ein anderes Land dem deutschen Sonderweg folgt. Der Grund ist die miserable Erfolgsbilanz der Merkel´schen Energiewende. Es wird zwar viel für die erneuerbaren Energienen getan, jedoch - paradoxerweise - wenig für den Klimaschutz. Darüberhinaus verfehlt die Energiewende wesentliche Ziele, die sich der Energiepolitik stellen:

  • Der Strom muss bezahlbar und wettbewerbsfähig sein.
  • Die Stromversorgung muss sicher sein.
  • Die Stromerzeugung muss technikoffen und effizient sein.

Wie sehen die Fakten dazu aus?

Bezahlbarkeit

Bis 2015 beliefen sich die Kosten der Energiewende bereits auf 150 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2025 ist mit weiteren 370 Milliarden Euro zu rechnen, so dass die Energiewende bis dahin voraussichtlich schon 520 Milliarden Euro kosten wird. Etwa drei Viertel davon entfallen auf die EEG-Umlage, die die Stromverbraucher für die Förderung der Ökostrom-Anlagen zu zahlen haben. Der zweite große Kostenpunkt ist der Ausbau der Stromnetze.

Kaum ein EU-Land bittet seine Stromkunden so zur Kasse wie in Deutschland. Heute kostet eine Kilowattstunde Elektrizität 33,6 Cent. Kein anderes Land in Europa berechnet den privaten Haushalten einen so hohen Preis. Der Preis in Frankreich liegt bei 18,9 Cent und in Polen bei 16,0 Cent. Die hohen Energiekosten schaden der  deutschen Industrie im internationalen Wettbewerb. Knapp 96 Prozent aller Industriebetriebe mussten 2016 die volle EEG-Abgabe zahlen, nur gut 4 Prozent waren davon befreit.

Versorgungssicherheit

Nach einem Bericht in der FAZ vom 9. Juni 2017 hat das deutsche Stromnetz im vergangenen Winter mehrmals kurz vor dem Zusammenbruch gestanden. „Es haben nur wenige Tropfen gefehlt, und es wäre zum Überlaufen gekommen, das heißt Blackout“, warnte der technische Geschäftsführer des Netzbetreibers Amprion, Klaus Kleinekorte. Grund für die zeitweise extrem hohe Belastung des Stromnetzes sei das Zusammentreffen mehrerer kritischer Faktoren gewesen: Der unerwartete Ausfall von Atomkraftwerken in Frankreich und Belgien, historisch niedrige Wasserstände in den Speicherseen der Alpen und das dunkle und windarme Winterwetter („Dunkelflaute“). Gleichzeitig stieß das reduzierte Stromangebot auf eine große Nachfrage, die nicht zuletzt dem kalten Winterwetter geschuldet war. Nur durch das Zuschalten lokaler Kohle- und Gaskraftwerke konnte ein Blackout verhindert werden.

Während der Dunkelflaute am 10. und 11. Januar 2018 betrug der Beitrag der Solar- und Windenergieanlagen zu der für die sichere Stromversorgung in Deutschland erforderlichen elektrischen Leistung (in kW) zeitweise nur circa drei Prozent! Um an diesem Tag während der Dunkelflaute einen Black-out in Seutschland zu vermeiden, musste das gewaltige Defizit an elektrischer Leistung zu 80 Prozent mit Hilfe von "konventionellen" Kraftwerken wie Erdgas-, Stein- und Braunkohle- sowie Kernkraftwerken gedeckt werden. Weitere 17 Prozent lieferten Punpspeicher-, Laufwasser-, Biogas-Kraftwerke und sonstige.

Wesentliche Gründe für die schwindende Versorgungssicherheit sind die Volatilität des Wind- und Sonnenstroms und das rasante Wachstum der Wind- und Photovoltaikanlagen im Verhältnis zum Ausbau der Stromnetze. Die schwankende Leistung von Wind- und Photovoltaikanlagen ist eine ständige Herausforderung für die Stromnetze. Die Netzbetreiber müssen immer häufiger eingreifen, um deren Stabilität zu gewährleisten. Das gesamte Engpass-Management kostete im Jahr 2015 bereits mehr als 1 Milliarde Euro, mit stark steigender Tendenz.

Die Ziele für den Ausbau der erneuerbaren Energien wurden aufgrund der üppigen Förderung immer wieder übertroffen. So kamen in den Jahren 2010 bis 2012 fast viermal so viele Photovoltaikanlagen dazu wie ursprünglich vorgesehen. Auch die Offshore-Windparks entstanden schneller als geplant. Demgegenüber bewegt sich der Netzausbau im Schneckentempo. Das im Jahr 2009 beschlossene Startnetz sah 1.800 Leitungskilometer vor, von denen erst 650 fertig gestellt sind. Im dritten Quartal 2016 kamen gerade einmal 3 Kilometer hinzu. Darüber hinaus wurde 2012 der Ausbaubedarf des Stromnetzes mit insgesamt 6.100 Kilometer festgesetzt, von denen 3.050 der Netzverstärkung dienen – und von denen bisher erst 400 Kilometer genehmigt sowie 80 realisiert sind.

Technologieoffenheit

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz garantiert für jede neue Ökostrom-Anlage den Einspeisevorrang und bis 2016 einen festen Stromabnahmepreis. Unter diesen Bedingungen kann es einen offenen und marktwirtschaftlichen Technologiewettbewerb nicht geben. Deutlich wird dies am Solarboom im sonnenarmen Deutschland: Ende 2015 waren rund 1,5 Millionen Anlagen mit einer Nennleistung von etwa 39 Gigawatt installiert – das ist Platz 3 der Energieträger nach den fossilen Brennstoffen und dem Wind. Zur Brutto-Stromerzeugung trägt die Photovoltaik indes nur 6,0 Prozent bei.

Von 2017 an kommen größere Neuanbieter zwar nur noch in den Genuss der Förderung, wenn sie in einem Ausschreibungsverfahren zu den günstigsten gehören. Mit dieser Umstellung gibt es zukünftig zwar eine Art  Preiswettbewerb zwischen den Anbietern, aber noch keine Technologieoffenheit. Wie bisher wird die Regierung technologiespezifische Ausbaukorridore festsetzen, und in diesem politischen Rahmen die Ausschreibungsverfahren durchführen.

CO2-Ausstoß

Der rasante Ausbau erneuerbarer Energien täuscht über die Tatsache hinweg, dass ihr Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen gering ist. Bei der Stromproduktion entsteht heute sogar mehr Kohlendioxid als im Jahr 2009 – aus einem einfachen Grund: Der beschleunigte Atomausstieg seit 2011 muss in erster Linie durch  Braunkohlekraftwerke kompensiert werden, die die CO2-Bilanz trüben.

Hinzu kommt der geringe Anteil des Wind- und Sonnenstroms an der tatsächlichen Bruttostromerzeugung in Deutschland. Die installierte Leistung der Wind- und Sonnenanlagen beläuft sich zwar auf  42 % des gesamten Stromerzeugungspotentials, ihr Anteil an der tatsächlichen Brutto-Stromerzeugung  beläuft sich 2015 aber nur auf 18,3 Prozent. Dem steht ein  Stromerzeugungspotential der fossilen Brennstoffe in nahezu gleicher Höhe  (= 43 %) gegenüber, zur tatsächlichen Stromerzeugung steuern sie aber 52,7 % bei.

Bezieht man auch die Bereiche Wärme und Verkehr mit ein, wird das Bild noch deutlicher: In Deutschland kamen 2016 zwar 31,7 % des Stroms aus sog Erneuerbaren Energien, aber nur 13,4 % der Wärme und gar nur 5,1 % der im Verkehr eingesetzten Energie, während der Großteil (80 %) der Energie aus fossilen und nuklearen Energiequellen stammten.

Dem Klimaschutz ist aus einem weiteren Grund mit der Energiewende nicht geholfen. Denn wie viel klimaschädigendes Kohlendioxid die Stromerzeuger und Unternehmen europaweit emittieren dürfen, hängt einzig und allein vom europäischen Emissionsrechtehandel ab: Jede Tonne CO2, die Deutschland einspart, darf anderswo zusätzlich ausgestoßen werden.

Justus Haucap kommt in der FAZ vom 26. Juni 2017 deshalb zu folgendem Gesamturteil über die Merkel´sche Energiewende: "Insgesamt muss man von einem energie- und klimapolitischen Irrweg sprechen ... Aktuell ist nicht zu erkennen, dass irgend ein anderes bedeutendes Land dem deutschen Sonderweg folgt - angesichts der dramatischen Kosten und der miserablen CO2-Bilanz kein Wunder."

Auf Grund der Versäumnisse im Umwelt- und Klimaschutz drohen der Bundesregierung erhebliche Kompensationszahlungen. Grund sind europarechtlich verbindliche Zusagen zur Minderung der Kohlendioxidemissionen in den nicht vom Emissionshandel abgedeckten Bereichen Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft. Danach müssen überschüssige Emissionen durch Geld kompensiert werden. Konkret erfolgt dies durch Zukäufe von Emissionsrechten von anderen EU-Staaten, vor allem aus Osteuropa, die weniger CO2 emittieren als erlaubt. Die Kosten dürften im einstelligen Milliardenbereich liegen.


  


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