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Migrationskrise : Islamischer Fundamentalismus
02.09.2017 16:48 (645 x gelesen)

Islamischer Fundamentalismus

Der Generalsekretär der größten Muslim-Vereinigung in Indonesien, Kyai Haji Yahya Cholil Staquf, hat der FAZ am 19. August 2017 ein Interview gegeben. Darin wurde er gefragt, was er davon halte, dass viele Politiker und Intellektuelle im Westen sagen, dass der islamistische Terror nichts mit dem Islam zu tun habe. Die Antwort des Generalsekretärs war von erstaunlicher Klarheit:

„Westliche Politiker sollten aufhören, zu behaupten, Extremismus und Terrorismus hätten nichts mit dem Islam zu tun. Es gibt einen ganz klaren Zusammenhang zwischen Fundamentalismus, Terror und Grundannahmen der islamischen Orthodoxie. Solange wir darüber keinen Konsens erzielen, so lange werden wir keinen endgültigen Sieg über die fundamentalistische Gewalt im Islam erreichen.“

Und er fügte hinzu: „Radikalislamische Bewegungen sind doch nichts Neues. Auch in der indonesischen Geschichte gab es sie immer wieder. Ich bin selbst ein gläubiger Muslim. Der Westen muss aufhören, das Nachdenken über diese Fragen für islamophob (zwanghafte Islamangst) zu erklären. Oder will man mich, einen islamischen Gelehrten, auch islamophob nennen?“

Islam und Islamismus

Linke Politiker und Vertreter muslimischer Verbände bestreiten einen Zusammenhang zwischen Islam und Gewalt mit dem Argument, dass zwischen dem „friedlichen Islam“ und dem „gewalttätigen Islamismus“ zu unterscheiden sei. Der Islam sei wie das Christentum eine friedliche Religion und „gehöre deshalb zu Deutschland“ (Christian Wulff). Das Problem sei der Islamismus,  bei dem es sich um eine politische Ideologie handele, die Gewalt nicht ausschließe. Mit den Gewalttaten und Terrorakten solcher Fundamentalisten habe der Islam aber nichts zu tun,  und es dürfe keinen Generalverdacht gegen Muslime geben.

„Es wäre schön, wenn der islamische Fundamentalismus nichts mit dem Islam zu tun hätte, wenn er nur eine völlige Verfälschung des Korans und der ursprünglichen muslimischen Tradition wäre und lediglich eine Folgeerscheinung westlicher Machtpolitik und akuter sozialer Probleme darstellte“, schrieb Rolf Stolz am 19. März 1994 in der Tageszeitung DIE WELT. Doch leider sei es nicht so, wie es sein sollte. Der islamische Fundamentalismus könne sich in einigen zentralen Fragen ohne jeden Zweifel zu Recht auf Buchstaben und Geist des Islam berufen. „Lediglich dort, wo man sich eine in das eigene Wunsch-Weltbild passende Idealvorstellung vom Islam mit einer eng begrenzten Auswahl relativ toleranter, moderater und „moderner“ Koran-Zitate konstruiert, kann diese unwillkommene Realität vergessen oder vertuscht werden“, warnte Rolf Stolz, ehemaliges Vorstandsmitglied der GRÜNEN.

Der Islam hat eine Doppelnatur:  Er ist einerseits eine circa 1400 Jahre alte Offenbarungsreligion, die darin besteht, „dass Du bekennst, dass es keinen Gott gibt außer Gott und dass Mohammed der Gesandte Gottes ist, dass Du das Pflichtgebet verrichtest und die Armengabe leistest, dass Du im Ramadan fastest und zum Haus (Gottes) pilgerst, wenn Du in der Lage bist, dies zu tun“. Insoweit ist der Islam eine friedliche Religion, die Gewalttaten nicht unmittelbar legitimiert. 

Andererseits ist der Islam aber auch ein politisches Programm, worauf Islamsachverständige immer wieder hinweisen: Seine geistigen Väter und heutigen Vertreter sind der Auffassung, „dass der von ihnen politisch gedeutete Islam nicht nur ein religiöser Glaube ist. Für sie ist der Islam umfassend, d.h. er beinhaltet quasi organisch alle Lebensbereiche, vor allem aber die Politik, und deswegen seien religiöser Glaube und politische Ordnung eine Einheit. Dementsprechend gäbe es im Islam keine Trennung von Religion und Politik“, schreibt der Islamkenner Bassam Tibi.

Bassam Tibi spricht damit einen entscheidenden Unterschied zwischen dem Islam und dem heutigen Christentum an. Der Islam kennt keine säkulare Welt  und trennt somit die Religion nicht von der Politik. Im Islam existiert kein „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und gebt Gott, was Gottes ist“, wie es das christliche Abendland kennt. „Politik und Religion sind im Islam dasselbe“, schrieb die marokkanische Islamforscherin Fatima Mernissi schon 1975. Und so sieht es auch Samuel Schirmbeck 2016: „Der Islam ist weltliche und göttliche Welt in einem. Trennung unmöglich.“

Der Islamsachverständige Michael Lüders versteht den Islamismus als eine politische Ideologie auf der Grundlage einer politischen und radikalen Verengung des Islam:  Die Anhänger dieser Ideologie missachten die Grund- und Menschenrechte und die Religionsfreiheit. Sie sind gegen eine Trennung von Staat und Religion und verstehen sich als Gegner der Demokratie. Die Islamisten sichern ihren Machterhalt, indem sie sich auf die Unantastbarkeit des Korans berufen, damit aber die Unantastbarkeit der eigenen Korandeutung meinen. Weil islamische Fundamentalisten jede Abweichung von der eigenen Koranauslegung als Abkehr vom richtigen Glauben werten, können die Positionen des Islamismus nicht mehr hinterfragt und angetastet werden. Wer sich gegen die Meinung islamischer Fundamentalisten ausspricht, gilt nicht als Kritiker, sondern als Ungläubiger, als Feind, der Allah verrät. Kritiker leben deshalb oft gefährlich, werden eingeschüchtert und bedroht.

Was will der Islamismus? Der Verfassungsschutz formuliert die Ziele des islamischen Fundamentalismus wie folgt: Die Islamisten fordern unter Berufung auf den Urislam des 7. Jahrhunderts die „Wiederherstellung“ einer „islamischen Ordnung“ als der nach ihrem Verständnis einzig legitimen Staats- und Gesellschaftsform, die alle anders geprägten Ordnungssysteme ersetzen soll. In dieser „islamischen Ordnung“ sollen alle Lebensbereiche so gestaltet sein, wie es von Gott durch den Koran und das Vorbild des Propheten und seiner frühen Gemeinde (Sunna) verbindlich vorgegeben sei. Militante Islamisten glauben sich legitimiert, die „islamische Ordnung“ mit Gewalt durchzusetzen.  Sie berufen sich dabei auf die im Koran enthaltene Aufforderung zum „Jihad“ („heiliger Krieg“), den sie – abweichend von anderen Muslimen – als heilige Pflicht zum unablässigen Krieg gegen alle „Feinde“ des Islam ansehen.

Den tieferen Grund für die starke Verbreitung islamistischen Gedankengutes sehen die meisten Experten in dem derzeitigen Zustand der islamisch-arabischen Welt. Die gegenwärtige Epoche der islamischen Zivilisation wird als rückständig, chaotisch und gegenüber der kulturellen Sogkraft des Westens als unterlegen empfunden. „Das Gefühl politischer Ohnmacht und die eigene Perspektivlosigkeit, gepaart mit dem Vorwurf der Lüge  und der Heuchelei an die Adresse des Westens: das ist der Nährboden, auf dem der islamistische Fundamentalismus und der Dschihad-Terror gedeihen“, sagt Michael Lüders. „Das Gefühl, zu den Verlierern der Geschichte wie auch der Globalisierung zu gehören, stärkt bei vielen Arabern und Muslimen die Neigung, sich als ein vom Schicksal verfolgtes Opfer zu bedauern und daraus die Rechtfertigung für einen grenzenlosen, absoluten, auch terroristischen Widerstand abzuleiten.“

Das Grundrecht der Religionsfreiheit

Der Islam ist im Rahmen seines religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses durch das Grundrecht der Religionsfreiheit des Artikel 4 Grundgesetz (GG) wie andere Religionen auch vor staatlichen Eingriffen geschützt. Für alle staatlichen Organe gilt die Pflicht zur religiösen Neutralität. Den sachlichen Schutzbereich dieses Grundrechtes hat das Bundesverfassungsgericht weit interpretiert; er umfasst nicht nur kultische Gebräuche. Auch Atheisten können sich auf die Religionsfreiheit berufen.

Die Religionsfreiheit ist selbstverständlich nicht „totale“ Religionsfreiheit. Vielmehr kann sie so wie andere Grundrechte durch den Gesetzgeber eingeschränkt werden, wenn einem entgegenstehenden Rechtsgut ein höheres Gewicht zukommt. Dabei muss die Begründung für eine Einschränkung religionsneutral sein: Gegenüber dem Islam lässt sich deshalb nicht argumentieren, seine religiösen Praktiken seien „in Deutschland unüblich“ oder „dem abendländischen Kulturkreis unbekannt“. 
Die Religionsfreiheit des Artikel 4 GG liegt nicht nur im individuellen Interesse der Gläubigen, sondern dient auch dem gesellschaftlichen Frieden. In einem Land mit mehreren Religionen wie Deutschland ist die Bewahrung des religiösen Friedens durch eine allgemein akzeptierte Ordnung von Religion und Religionsausübung eine Grundvoraussetzung für den innerstaatlichen Frieden insgesamt. Hierauf hat jüngst Markus Heilmann in einem Beitrag in der FAZ aufmerksam gemacht.

Konkret bedeutet dies, dass der Islam die am Maßstab der Religionsfreiheit beschlossene Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland zu befolgen hat, auch wenn sie den eigenen religiösen Vorstellungen zuwiderläuft. Bestrebungen, eigene religiöse Normen für alle verbindlich machen zu wollen, können deshalb nicht akzeptiert werden. Das friedliche Zusammenleben in einem religiös heterogenen Staat erfordert vielmehr eine Relativierung der eigenen Religion oder Weltanschauung.

Dies ist im Hinblick auf den fundamentalistischen Islam der entscheidende Punkt: Gegen Terrorattacken und kriminelle Taten muss sich ein Rechtsstaat immer verteidigen. Ein ernstes Problem ist jedoch auch, wenn Umfragen ergeben, dass viele Muslime die freiheitliche Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland ablehnen oder in Frage stellen. In diesem Zusammenhang stellen sich mehrere Grundfragen: Wie steht der Islam zur Gleichberechtigung der Frau? Wie geht er mit Menschen um, die nicht seiner Glaubensrichtung angehören? Und: Hält er sich für legitimiert, an die Gestaltung des Staates bestimmte, theologisch motivierte Ansprüche zu stellen? Eine Antwort auf die letzte Frage ist  besonders wichtig, denn in der Demokratie entscheidet das gesamte Volk über den Staat und im Grundrechtsstaat hat jeder das Recht, sein Leben nach eigenen Vorstellungen einzurichten.

Der Islam und das Grundgesetz

Der Widerspruch zwischen bestimmten Grundannahmen des Islam und der freiheitlichen Staats- und Gesellschaftsordnung des Grundgesetzes lässt sich vor allem an drei Bereichen erkennen:

• Am muslimische Staatsverständnis.
• Am Rechtsverständnis der Muslime.
• Am  Glaubenskrieg der Muslime

Muslimisches Staatsverständnis

„In der islamischen Tradition ist der Staat als universaler, einheitlicher Staat für alle Muslime konzipiert, mit einem Einzelherrscher an der Spitze, der die muslimische gegen die nichtmuslimische Welt vereinigt“, sagt der indonesische Generalsekretär zum Staatsverständnis des Islam. Der politische Islam verneint grundsätzlich die Möglichkeit, dass Menschen über sich selbst bestimmen können.

Ein solches Staatsverständnis steht in Widerspruch zur liberalen Staatsordnung des Grundgesetzes, insbesondere  zur Volkssouveränität und zur demokratischen Willensbildung. Dass es sich dabei nicht um eine theoretische Frage handelt, wird daran ersichtlich, dass der Aufruf zum Kampf gegen die Volkssouveränität heute in der Welt des Islam regelmäßig zu den Präambeln politischer Programme gehört. Muslime sehen in der Volkssouveränität eine Suspendierung der Herrschaft Gottes. Einer der Führer der Islamischen Heilsfront (FIS) in Algerien prägte in diesem Kontext die Formel: „Demokratie ist Unglaube.“ 

Letztendlich widerspricht auch der alleinige Geltungsanspruch des „göttlichen Rechts“ dem Prinzip der Volkssouveränität wie auch dem Gedanken, dass Entscheidungen des Gesetzgebers revidiert werden können. Zudem gibt es Normen „göttlichen Rechts“, die gegen Grundrechte verstoßen, wie  beispielsweise das Verbot der Diskriminierung von Frauen und Nichtmuslimen oder das Recht auf Austritt aus dem Islam, der Muslimen bei Androhung der Todesstrafe verboten ist.
 
Islamisten verbinden mit jeder Form der Staatlichkeit das Ziel, in den von Muslimen bewohnten Gebieten das Konzept von der Gottesherrschaft umzusetzen. Sie argumentieren, der Westen verfolge mit seinem säkularen Prinzip das Ziel,  die Welt des Islam zu schwächen und zu erniedrigen. Um den muslimischen Ländern ihre historische Größe zurückzugeben, müsse man zum Islam in seiner ursprünglichen Form zurückkehren und  -  so wird argumentiert - die Welt des Islam „von den Kreuzzüglern  befreien“. Gemeint ist damit alles Westliche, vor allem die Trennung von Religion und Politik, Demokratie und Volkssouveränität sowie die westliche Zivilisation. Deutlicher kann man den Widerspruch zwischen dem muslimischen und westlichen Staatsverständnis nicht zum Ausdruck bringen.

Rechtsverständnis der Muslime

„Viele Muslime setzen voraus, dass es eine Gruppe fester, unverbrüchlicher islamischer Gesetze gibt, auch bekannt als Scharia. Auch das steht im Einklang mit der Tradition, aber es führt zwangsläufig zu Konflikten mit den Gesetzen von säkularen Nationalstaaten“, sagte der Generalsekretär der indonesischen Muslim-Vereinigung und fügte hinzu: „Wir müssen dahin kommen, dass ein Verständnis, das die traditionellen Normen der islamischen Rechtslehre absolut setzt, als falsch gilt. Religiöse Werte und soziale Realität müssen zueinander passen. Und es muss glasklar sein, dass die staatlichen Gesetze Vorrang haben.“

Die erwähnte Scharia setzt sich in muslimischen Ländern unter dem Einfluss fundamentalistischer Rechts- und Schriftgelehrten mehr und mehr durch. Ayaan Hirsi Ali, eine bekannte Islamkritikerin aus Somalia, warnte deshalb vor  muslimischen Einwanderern mit radikalen Ansichten. Meinungsumfragen des Umfrageinstituts „ Pew Organisation“  in der muslimischen Welt belegen, dass  viele Menschen in diesen Ländern Ansichten haben, die die meisten Europäer als Extrem ansehen würden: So sind drei Viertel der Pakistaner und mehr als zwei Fünftel der Iraker der Meinung, dass Menschen, die den Islam verlassen, die Todesstrafe verdienen. Mehr als 80 Prozent der Pakistaner und zwei Drittel der Iraker halten die Scharia-Gesetze für offenbarte Worte Gottes. Nur wenige könnten damit leben, dass ihre Tochter einen Christen heiratet. Nur eine Minderheit findet, dass Ehrenmorde an Frauen niemals gerechtfertigt sind. Ein Viertel der Befragten in Bangladesch und jeder Achte in Pakistan finden, dass Selbstmordattentate zur Verteidigung des Islam oft oder manchmal gerechtfertigt sind.

Als der abgestürzte jordanische Kampfpilot Muaz al-Kasaesbeh in einen Käfig gesperrt und verbrannt wurde, beriefen sich die IS-Schergen auf den bekannten Theologen Ibn Taymiyya (1263 – 1328). Dieser hält „den Heiligen Krieg für ebenso bedeutsam wie das Gebet, er besteht auf der wortwörtlichen Auslegung des Korans, verbietet die Trennung von Religion und Staat, gebietet letzterem sogar, alle seine Mittel in den Dienst der Religion und des Dschihad zu stellen, rechtfertigt die körperliche Züchtigung, die Steinigung, das Auspeitschen, das Hand- und Fußabschneiden, die Kreuzigung“. (Schirmbeck Seite 115)

Dies war vor siebenhundert Jahren, ist aber immer noch Gegenwart. Der Wahhabismus Saudi-Arabiens hat große Teile von Ibn Tamiyyas Rechts- und Glaubensauffassung übernommen, praktiziert sie täglich im eigenen Land und exportiert sie in die westliche Welt: ein Kreuzzug, dem der Westen ratlos gegenübersteht.

Glaubenskrieg der Muslime

Zum Glaubenskrieg, dem Dschihad, gibt es im Islam zwar unterschiedliche Auffassungen, und die meisten Muslime lehnen den Dschihad ab. Unbestreitbar ist aber auch, dass der Dschihad bereits in der Frühzeit des Islam konstitutiv für die islamische Gemeinschaft war und sich dazu Koranverse finden lassen, auf die sich die Dschihadisten heute noch berufen.

Susanne Schröter schreibt  in der FAZ vom 29. August 2017 zur aktuellen Lage: „Die letzten Anschläge in (Europa) zeigen in aller Deutlichkeit, dass die militärische Niederlage des IS keinesfalls das Ende der islamischen Gewalt bedeutet… Dschihadismus ist eine globale Bewegung mit regionalen Brennpunkten und einer ungebrochenen Attraktivität für Jugendliche. Dschidad gilt als cool. Es gibt T-Shirts, Kappen und Buttons mit den wichtigen Slogans; es gibt Kämpfer, die wie Popstars gefeiert werden, eine eigene Mode, Musik, Sprache. Dschihadistische Symbolik hat hohen Wiedererkennungswert. Die Medienspezialisten des Dschihad sorgen dafür, dass seine Botschaften (weltweit) abgerufen werden können, oft übersetzt in die entsprechenden Landessprachen.“ Die Dschihadisten bekennen sich zu dem Ziel, bestehende Gesellschaften durch eine Intensivierung des Terrors zu destabilisieren und die muslimische Jugend zum Aufstand zu motivieren.

Die Dschihadisten berufen sich dabei auf den Koran, der das Verhältnis von Muslimen und Nichtmuslimen an vielen Stellen mit der „Trennung der Welt in Gläubige und Ungläubige“ erklärt. Samuel Schirmbeck sieht darin den entscheidenden Grund für die Gewaltbereitschaft des Islam, die sich vor allem gegen den Westen richtet. Der Glaube der Muslime ist ungleich fundamentaler als der durch die Aufklärung gefilterte Glaube der Christen. Jedes Wort im Koran als „direktes Wort Gottes“ hat deshalb bis heute weit mehr von seiner ursprünglichen Sprengkraft  behalten als die Worte der Bibel. Dies gilt für alle Worte des Korans, nicht nur für die  „guten“, sondern auch für die  “bösen“. Letztere aber richten sich aber in einem fast ununterbrochenen Stakkato gegen die „Ungläubigen“, womit alles Westliche gemeint ist. Es ist deshalb nur logisch, dass sich die islamische Gewalt in erster Linie gegen westliche Länder richtet. Dies „macht ein friedliches Leben von Muslimen in den multikulturellen, multireligiösen Gesellschaften des 21. Jahrhunderts tendenziell unmöglich“, befürchtet deshalb der indonesische Muslimvertreter. 
 
Was reizt junge Muslime am Dschihad, und wie rechtfertigen sie die Gewalt? In Deutschland wird meistens mit Schulversagen, mangelnden Berufsperspektiven und gesellschaftlicher Diskriminierung erklärt, was junge Menschen in den Dschihad treibt. Susanne Schröter kommt nach Auswertung von Videoansprachen und Botschaften der Dschihadisten jedoch zu einem anderen Ergebnis:

• Der Dschihad wird als Selbstverteidigung der Muslime gegenüber dem Westen dargestellt. Muslime würden überall durch den Westen unterdrückt,  entrechtet, vergewaltigt und abgeschlachtet. Männer mit Ehre seien daher aufgefordert, dem Unrecht ein Ende zu bereiten.
• Den theologischen Rahmen für dieses Konstrukt bietet der Islam, der die  Welt in das „Haus des Islam“ und das „Haus des Krieges“ trennt, wobei mit Letzterem die nichtmuslimische Welt gemeint ist. Zwischen beiden Häusern herrscht angeblich naturgemäß Krieg oder Unterdrückung.
• Die Lösung  dieses Konfliktes wird in einer Endzeitschlacht zwischen Muslimen und Nichtmuslimen gesehen, nach deren Ende ein weltumspannendes islamisches Reich errichtet werden soll.
• Für jeden Muslim folgt daraus die Pflicht zum Dschihad, um einerseits Angriffe auf den Islam zu rächen und um andererseits den göttlichen Auftrag eines islamischen Reiches zu erfüllen. 

Forderungen an den Islam

Angesichts  eines solchen Befundes ist es beunruhigend, dass deutsche muslimische Verbände unbeirrt behaupten, der islamische Terror habe nichts mit dem Islam zu tun. Der Islam wolle Frieden. Dem widersprechen viele Islamkritiker mit dem Hinweis, dass der Islam durch bestimmte Grundannahmen die Gewalt nicht ausschließt, sondern fördert. Hierfür sprechen nach Rolf Stolz folgende Grundkennzeichen:

• Der Koran wird unreflektiert und buchstabengläubig zur Richtschnur für alles menschliche Begreifen und Handeln erklärt.
• Jede textkritische Infragestellung des Korans und jeder Versuch einer modernen  Interpretation  werden als „Sünde“ begriffen und verfolgt.
• Gesellschaftliches Ziel ist nicht eine auf Aufklärung und Selbstbestimmung gerichtete Staatsordnung, sondern die Unterjochung  von Gemeinschaften und Einzelnen durch einen „Gottesstaat“.

Es sind vor allem die „Freiheitssucher und Reformer“ in der muslimischen Welt, die darauf hinweisen, dass es der traditionelle Islam ist, der die Gedanken- und Redefreiheit einschränkt, politische Mitwirkungsrechte verweigert, die Rechte von Frauen missachtet, in den Alltag der Muslime eingreift, Kriminelle unmenschlich bestraft und Minderheiten verfolgt. Fundamentalismus und Gewalt hängen also sehr wohl mit dem traditionellen Islam zusammen. Samuel Schirmbeck hat deshalb in der FAZ vom 24. August 2017 an die Islamverbände in Deutschland die folgenden Forderungen gestellt:

1. Erklären Sie, dass die islamische Aufteilung der Welt in einen gläubigen und ungläubigen Teil menschenfeindlich und daher eines heutigen muslimischen Gläubigen unwürdig ist. Verurteilen Sie laut und deutlich nach jedem Attentat den Dschihad gegen den Westen.
2. Erlauben Sie Ihren Gläubigen die drei Worte „Ich bin ungläubig“! Diese drei Worte werden die islamische Welt nicht schwächen, sondern stärken.
3. Hören Sie endlich auf, kritische Fragen zum Islam als Islamophobie zu brandmarken. Deutsche stört nicht das Fremde am Islam, sondern die Gewalt gegen Andersdenkende und das Gefühl, etwas Besseres zu sein.
4. Befreien Sie den Islam vom Islamismus! Unterstützen Sie die neuen Denker des Islam, die Ihren Gott unter die Kontrolle des Humanismus bringen wollen, wie es das Christentum auch gemacht hat.  


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