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Politisierte Naturwissenschaften
02.02.2019 20:31 (129 x gelesen)

Politisierte Naturwissenschaften

Jeder Besitzer eines Autos mit Dieselmotor wird die Zahl kennen: Auf den Straßen dürfen im Jahresmittel nicht mehr als 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NOx) pro Kubikmeter Luft gemessen werden, ansonsten drohen Fahrverbote. Kaum bekannt ist jedoch, wie es zu diesem Wert kam und welche Politiker ihn festgesetzt haben. Gleichwohl ist er die Grundlage für viele Maßnahmen der Luftreinhaltung und steht in zahlreichen Gerichtsurteilen. Denn mit dem Grenzwert sollen Menschen vor Gesundheitsschäden geschützt werde.

Auch der Zielwert in der Klimapolitik, wonach die Erderwärmung „möglichst“ nicht über 1,5 Grad steigen soll, ist vielen bekannt. Interessierte wissen auch, dass zur Erreichung dieses Ziels die Emission von Treibhausgasen, insbesondere von Kohlendioxid (CO2), gedrosselt werden soll. Aber nur wenige können sagen, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse zu dem 1,5-Grad-Ziel geführt haben und wie das Ziel erreicht werden soll.  Gleichwohl dient das 1,5-Grad-Ziel der Politik als Legitimation für einen gesellschaftlichen Transformationsprozess, der die Energieversorgung, die Mobilität und die Wärmegewinnung in Deutschland tiefgreifend verändern soll.

Wenn politische Entscheidungen auf naturwissenschaftliche Erkenntnisse gestützt werden, sollten diese wissenschaftlichen Maßstäben standhalten. Es gibt  aber gute Gründe für die Annahme, dass dies weder bei dem Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NOx) pro Kubikmeter Luft noch bei dem 1,5-Grad-Ziel für die Erderwärmung der Fall ist.      

I
Fraglicher Grenzwert

1.   Irreführende Analysen

Der Gesundheitsschutz der Bevölkerung  gehört zu den klassischen Aufgaben des Staates. Es ist deshalb nicht zu beanstanden, wenn die Regierung Grenzwerte für die Belastung der Luft mit Schadstoffen festlegt. Selbstverständlich darf sie sich dabei auch der Hilfe von unabhängigen Sachverständigen bedienen und sich vom Vorsichtsprinzip leiten lassen. Die Politik darf aber nicht willkürlich entscheiden.    

Für Stickstoffdioxid gilt im Freien ein Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.  Hingegen sind in Büros 60 und an Produktionsstätten 950 Mikrogramm zugelassen. Grundlage dieser Grenzwerte sind Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie Richtlinien der Europäischen Union (EU), die in nationales Recht umgesetzt wurden.

Zur Begründung der unterschiedlichen Grenzwerte verweisen WHO und EU auf die mit den Luftschadstoffen verbundenen Gesundheits- und Lebensrisiken. Nach Angaben der WHO ist die derzeitige Luftbelastung in Deutschland für nahezu 100.000 Tote jährlich verantwortlich. Bis zu 13.000 Todesfälle jährlich sollen durch Stickstoffverbindungen (NOx) und bis zu 80.000 Sterbefälle jährlich durch Feinstaub verursacht sein. Auch das Bundesumweltamt geht davon aus, dass in Deutschland jedes Jahr etwa 100.000 Menschen an Stickstoffoxid- und Feinstaub-Belastungen sterben.

Solche Zahlen stützen sich auf  Forschungsergebnisse von Epidemiologen und Toxikologen, die mit statistischen Methoden und Tierversuchen die Wirkung von Umweltbelastungen messen. Hierzu verwenden sie  komplexe mathematische Computer-Modelle mit Zigtausenden von Datensätzen und vielen Variablen. Verglichen werden dabei Regionen mit unterschiedlicher Schadstoffbelastung und der Häufigkeit von Erkrankungen und Todesfällen. Unterstützt werden solche statistischen Untersuchungen durch Laborversuche von Toxikologen, die die Wirkung von Schadstoffen auf Tiere oder auch Menschen analysieren.

Die so gewonnenen Forschungsergebnisse von Epidemiologen und Toxikologen haben ergeben, dass in Gebieten mit hoher NOx- und Staubbelastung ein deutlich erhöhtes Erkrankungs- und Mortalitätsrisiko besteht. Hochgerechnet kommt man so auf die besagten 100.000 Todesfälle jährlich in Deutschland. 

Diese Forschungsergebnisse sind jedoch jüngst von Lungenärzten und klinischen Forschern in Frage gestellt worden. Angeführt wird diese Gruppe vom dem anerkannten Lungenfachmann Dieter Köhler, dem sich inzwischen mehr als hundert Lungenfachärzte angeschlossen haben. Köhler hat die Grenzwerte öffentlich als „völlig unsinnig“ bezeichnet, womit er einen politischen Eklat ausgelöst hat. Zur Begründung verweist er auf die praktischen Erfahrungen niedergelassener und klinischer Lungenärzte mit Lungenpatienten: „Lungenärzte sehen in ihren Praxen und Kliniken täglich die Todesfälle an COPD (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung) und Lungenkrebs; jedoch Tote durch Feinstaub und  NOx, auch bei sorgfältiger Anamnese, nie“, sagt er. Und er ergänzt: „Wenn jährlich hochgerechnet 100.000 Menschen durch NOx oder Feinstaub stürben, dann müsste das Phänomen zumindest als assoziativer Faktor bei den Lungenerkrankungen irgendwo auftauchen.“

Die Lungenärzte werfen den Epidemiologen vor, bloß statistische Korrelationen mit kausalen Wirkungen zu verwechseln. „Eine genauere Analyse der Daten zeigt, dass diese extrem einseitig interpretiert wurden, immer mit der Zielvorstellung, dass Feinstaub und NOx schädlich sein müssen.“

Köhler begründet diesen Vorwurf damit, dass die Epidemiologen in ihren Studien wichtige „Risikofaktoren“, wie die Lebensweise der jeweiligen Bevölkerung (Bewegungsmangel, Alkoholkonsum und Rauchen), die das Erkrankungs- und Mortalitätsrisiko erhöhen, unberücksichtigt lassen. Solche Risikofaktoren seien aber in NOx- und staubbelasteten Zonen häufiger zu finden als in guten Wohngegenden, so dass die Feststellung von überproportional vielen Krankheits- und Todesfällen in solchen Zonen für den Nachweis einer kausalen Wirkungskette wertlos sei, sagt Köhler. Denn schon kleine Änderungen an der Lebensführung der Menschen in den belasteten Zonen würden die Probleme mit dem Feinstaub verschwinden lassen. 

Köhler ist überzeugt, die herrschende Methode zur Begründung von Grenzwerten falsifiziert zu haben. Raucher würden eine millionenfach höhere Dosis Feinstaub einatmen und trotzdem nicht nach ein paar Monaten tot umfallen. Köhler betont, dass er mit seiner Initiative die Diskussion um Grenzwerte wieder auf eine wissenschaftsmethodologisch rationale Grundlage zurückführen und die Debatte versachlichen will. „Leider werden zunehmend die wissenschaftlichen Methoden, insbesondere bei der Bewertung der Größenordnungen, verlassen und durch Ideologien ersetzt“, so Köhler.  Darin wird er von dem Dortmunder Statistik-Professor Walter Krämer unterstützt, der die Aussagen vieler epidemiologischer Studien ebenfalls anzweifelt und sie für „reine Panikmache“ hält.

2.   Die Front der Verteidiger

In der von Köhler angestoßenen Debatte ist die Fachwelt gespalten:  Auf der einen Seite stehen die Epidemiologen und Mathematiker, die immer komplexere Datenmodelle erstellen und damit Zahlen generieren wie die, dass in Deutschland jährlich Hunderttausende Menschen vorzeitig wegen zu hoher Luftschadstoffe sterben. Auf der anderen Seite stehen die praktizierenden Lungenfachärzte, die in ihren Praxen und Kliniken noch nie einen Menschen gesehen haben, der an Feinstaub oder Stickoxiden gestorben ist.

Köhler und seine Truppe sind aber auch unter den Lungenärzten eine Minderheit. Der Bundesverband der Pneumologen (BDP) betonte, dass Grenzwerte politische Kompromisse seien, die Risikogruppen, wie Kranke, Kinder und Schwangere, nach dem Vorsorgeprinzip schützen sollen. „Eine Bagatellisierung der Auswirkungen von Luftschadstoffen gefährdet die Bemühungen, Risiken und Gefahren von Luftverschmutzungen zu minimieren.“

Auch die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie (DGP), dessen Präsident Köhler von 2005 bis 2007 war, steht weiterhin zu den von den Epidemiologen vertretenen Forschungsmethoden. Die Fachgesellschaft hat erst Ende November 2018 ein umfassendes Positionspapier zu den geltenden Grenzwerten herausgegeben. Darin legen anerkannte Forscher des Helmholtz Zentrums München, der Berliner Charité und der Universitäten Düsseldorf und Bielefeld auf hundert Seiten den heutigen Stand der Forschung zu Gefahren durch Luftschadstoffe dar. Sie belegen das mit 451 Quellenangaben.
 
Der Toxikologe Holger Schulz, Leiter des Helmholtz-Zentrums für Epidemiologie, sagte im Gespräch mit der FAZ: „Auch ein Raucher stirbt nicht am Rauch selbst, er stirbt am Herzinfarkt, am Schlaganfall oder an Lungenkrebs, und genau diese Erkrankungen sind mit der Feinstaubbelastung assoziiert, wenn auch in deutlich geringerem Maße.“ Wahrscheinlich, so Schulz, sei Feinstaub schon unterhalb der jetzt gültigen Grenzwerte schädlich. Darüber gebe es neue Studien aus den Vereinigten Staaten.

Das Forum der Internationalen Lungengesellschaften (FIRS) hat sich ebenfalls in einer Stellungnahme für die nationalen und internationalen Standards ausgesprochen und widerspricht damit der Gruppe der deutschen Lungenfachärzte, die sich für eine Aufweichung der Grenzwerte einsetzt. Nach Angaben der WHO ist die Schadstoffbelastung der Luft für 4,2 Millionen jährliche Todesfälle verantwortlich. Obwohl die Lunge am stärksten von der Luftverschmutzung betroffen sei, würden durch diese auch andere Organsysteme geschädigt, die langfristig tödlich sein könnten. Die schädlichen Auswirkungen würden lange unbemerkt bleiben, was die WHO veranlasst habe, die gesundheitlichen Effekte der Luftverschmutzung als „stille Epidemie“ zu bezeichnen.   

In einem anonymen Beitrag der FAZ vom 24. Januar 2019 wird der Gruppe um Köhler der Vorwurf gemacht, sie nehme die wissenschaftliche und politische Literatur nicht zur Kenntnis, weil es ihr vor allem um die Aussetzung der geltenden Grenzwerte gehe. Grundsätzlich seien Grenzwerte zur Luftreinhaltung aber nicht das Ergebnis eines wissenschaftlichen, sondern eines politischen Prozesses, der in Europa traditionell durch das Vorsorgeprinzip geprägt sei. Im konkreten Fall gebe es seit den neunziger Jahren mehrere EU-Entscheidungen und Richtlinien, denen alle europäischen Länder zugestimmt und die zu zahlreichen Grenzwerten für Luftschadstoffe geführt hätten. Die Wissenschaft habe lediglich das verfügbare Wissen zur Bewertung der Gesundheitsrisiken und damit zur - politischen – Festsetzung des Vorsorgegrenzwertes bereitgestellt.

An der wissenschaftlichen Einschätzung dieser Werte habe sich grundsätzlich nichts geändert, heißt es weiter in dem anonymen Beitrag. Es habe auch weder von der WHO noch von den damit befassten Experten unabhängiger Institute Entwarnung gegeben. Dies läge weniger an der akuten Gefährlichkeit für gesunde  Menschen, sondern an dem höheren Risiko für Asthmatiker und Kinder. Auch deshalb wäre ein vergleichsweise niedriger Vorsorgegrenzwert für den Verkehr - anders als etwa für belastete Arbeitsplätze – vereinbart worden.

3.   Politische Stimmen

Für Köhler steht nicht die Politik, sondern seine eigene Zunft im Mittelpunkt der Kritik: „Irgend welche Wissenschaftler behaupten etwas, dann wird darüber in den Medien berichtet, einige gesellschaftlichen Gruppen unterstützen das, und ganz rasch entsteht der Druck, dass die Politik Konsequenzen ziehen muss.“ Gleichwohl hat sich die Politik in der laufenden Debatte zu Wort gemeldet. 

Das Bundesumweltministerium verteidigte die geltenden Grenzwerte. Die Gesetzgebung sei darauf ausgerichtet, dass alle Menschen überall und jederzeit die Außenluft problemlos einatmen könnten, sagte ein Sprecher des Ministeriums. „Das muss für gesunde Menschen gelten genau so wie für Menschen mit Asthma, für Menschen, die älter sind, oder eben vor allen Dingen auch für Kleinkinder.“ Die Grenzwerte fußten auf einer „soliden wissenschaftlichen Basis“ und folgten der Einschätzung der WHO.

Demgegenüber nannte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) die Initiative von Köhler einen „wichtigen und überfälligen Schritt mitzuhelfen, Sachlichkeit und Fakten in die Dieseldebatte zu bringen“. Der wissenschaftliche Ansatz habe das Gewicht, die Politik des Verbietens, Einschränkens und Verärgerns zu überwinden.  Auch Christian Lindner, Vorsitzender der FDP, unterstützte Köhler und forderte ein Moratorium für Grenzwerte, bis es wissenschaftliche Klarheit gibt. Der grüne Verkehrsminister in Baden-Württemberg, Winfried Herrmann, hielt dagegen und betonte, dass es bei den Grenzwerten zwingend bleiben muss. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) warnte hingegen, die Menschen bekämen den Eindruck, „dass Gesetz und Grenzwerte nicht dafür da sind, sie zu schützen, sondern sie zu bevormunden“. Dann „sinkt die Akzeptanz“, so Kretschmer mit einem Seitenhieb auf jene, „die moralisch mit dem erhobenen Zeigefinger durchs Land laufen“.

Tübingens grüner Oberbürgermeister Boris Palmer hingegen stimmte  der Analyse von Dieter Köhler in allen Punkten zu. Im Kampf um Fahrverbote sei die Vernunft verloren gegangen, sagte er in einem Namensartikel in der WELT vom 30. Januar 2019. Es gebe keine medizinischen Beweise dafür, dass Stickoxide in Konzentrationen, wie sie Städten vorhanden sind, krank machen oder gar töten könnten. Alle Angaben über angeblich durch Stickoxide und Feinstaub zu befürchtende Todesfälle seien mit großer Unsicherheit behaftet. Sicher sei nur, betonte Palmer, dass Luftschadstoffe ein untergeordnetes Problem für die menschliche Gesundheit seien. Bewegungsmangel, Fettleibigkeit, Zucker, Tabak und Alkohol seien die größten Feinde des modernen Menschen.  

Vieles spreche dafür, dass die Grenzwerte „über den dicken Daumen und mit viel gutmeinender Ideologie festgelegt wurden“, schreibt Ansgar Graw in der WELT vom 25. Januar 2019. Zweifel und die Akzeptanz von möglichen Alternativen seien jedoch die Grundlage der Wissenschaft. Wenn Wissenschaftler oder Politiker stattdessen von Annahmen ausgehen, über die nicht mehr diskutiert werden kann oder soll, handele es sich um Dogmen, die in den Bereich der Ideologie oder des Glaubens gehören. So sieht es auch die die Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Wenn Fachleute Zweifel hätten, versicherte Schulze, „dann müssen sie sich hörbar äußern, dann müssen sie die Debatte führen, das ist der Kern der Wissenschaft, die lebt vom Argument und Gegenargument, vom freien Denken“.

4.   Herkunft der Grenzwerte

Die Entstehungsgeschichte der geltenden Grenzwerte, über die die FAZ vom 31. Januar 2019 berichtet, zeigt, wie fragwürdig ihre wissenschaftlichen Grundlagen sind. In jedem Fall muss man zeitlich weit zurückgehen.

Der heutige Grenzwert für Stickstoffdioxid wurde von den Ministern der EU-Staaten kurz vor der Jahrtausendwende mit der Richtlinie 1999/30/EG  angeordnet. Darin heißt es, dass von 2010 an ein „Jahresgrenzwert für den Schutz der menschlichen Gesundheit“ von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO2) pro Kubikmeter Luft gelten soll. Die nationalen Parlamente hatten diese Richtlinie in nationales Recht umzusetzen.

Die Richtlinie 1999/30/EG geht auf einen Vorschlag der Europäischen Kommission vom 8. Oktober 1997zurück, in dem die damalige EU-Umweltkommissarin Ritt Bjerregaard von einem „erheblichen Risiko für die menschliche Gesundheit“ spricht. Auch der Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm steht schon in diesem Vorschlag. Zu seiner Herkunft schreibt die Kommission: „Die neuen Grenzwerte beruhen auf überarbeiteten Luftqualitätsleitlinien für Europa, die von der Weltgesundheitsorganisation 1996 verabschiedet wurden.“

Für Europa ist das Regionalbüro der WHO in Kopenhagen zuständig, beim Stickstoffdioxid fand jedoch die eigentliche Arbeit in den Niederlanden statt. Dort trafen sich Mitte Oktober 1994 insgesamt 23 Fachleute auf diesem Gebiet  - Umweltmediziner, Toxikologen und Epidemiologen - , um zu beraten, welche Richtwerte die WHO u.a. für Stickstoffdioxid empfehlen sollte. In dem Abschlussbericht dieser Arbeitsgruppe findet sich für NO2 der Wert von 40 Mikrogramm wieder.

In dem Abschlussbereicht heißt es aber weiter, dass es keine Studien gebe, die verlässlich genug seien, um „inakzeptable Gesundheitsrisiken bei Kindern oder Erwachsenen“ durch eine Exposition mit Stickstoffdioxid nahezulegen. Dies führte - wie die Fachleute selbst schrieben - zu einem „Dilemma“ bei der Bestimmung eines Richtwertes, weil man sich über die Notwendigkeit eines Richtwertes einig war, aber nicht wusste, wie hoch dieser sein musste. Um nicht ohne Ergebnis dazustehen, behalfen sich die Wissenschaftler mit einer Schätzung. In der Empfehlung wurden 40 Mikrogramm festgehalten - verbunden mit dem Hinweis, dass man diesen Wert in Ermangelung belastbarer Werte als Richtwert ansehe. Die EU-Kommission hat daraus in der Richtlinie dann eigenmächtig einen Grenzwert gemacht, weil der Ministerrat schnell die EU-Richtlinie erlassen wollte.

Alexander Kekulé, Direktor des Instituts für biologische Sicherheitsforschung in Halle, hat den Grenzwertfindungsprozess bei der WHO und im Europäischen Parlament kritisch rekonstruiert. Nach seinen Feststellungen ist damals „schlampig“ und mit „heißer Nadel“ gearbeitet worden. Er sieht in dem Vorgehen Mitte der neunziger Jahre „zwei grobe Fehler“: „Erstens schätzte man einen Richtwert, ohne dass es dafür eine wissenschaftliche Herleitung gab. Statt der 40 hätte man genau so gut 50 oder 70 Mikrogramm vorschlagen können. Zweitens nahm die Kommission den WHO-Richtwert für die durchschnittliche, individuelle Jahresbelastung und machte daraus einen Grenzwert.“

Im September 2005 hätte man in Brüssel die willkürliche Festlegung des Grenzwertes korrigieren können, als die Kommission dem Rat und dem Parlament den Entwurf einer Richtlinie vorlegte, in der weitere Grenzwerte festgelegt und die alten Grenzwerte bestätigt wurden. Stickstoffdioxid taucht darin wieder mit dem Wert von 40 Mikrogramm im Jahresmittel auf. Schon damals war bekannt war, dass der Grenzwert von 40 Mikrogramm einige deutsche Kommunen in Schwierigkeiten bringen würde. Gleichwohl winkte das Europa-Parlament die Vorlage  mit den Stimmen der deutschen Abgeordneten durch. Die neue Richtlinie  2008/50/EG trat im Mai 2008 in Kraft.

Ein ehemaliger Europapolitiker, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte der FAZ dazu: „Es war bei solchen Grenzwertdiskussionen immer so: Die werden irgendwo gesetzt, die kommen irgendwo her. Dann gib´s gar kein sauberes Überprüfungsverfahren, dass man abschätzt, ob das geht und was da geht. Diese Werte setzen sich einfach fest und werden beschlossen“. 


II
Politische Klimaforschung

1.   Die Arbeit des IPCC

Kaum ein anderes Thema beherrscht die nationale, europäische und internationale Politik so dauerhaft und intensiv wie der Klimawandel. Nahezu alles wird im Zusammenhang mit der Frage diskutiert, wie der Erderwärmung und ihren katastrophalen Folgen Einheit geboten werden kann. Denn der Hauptschuldige steht fest: Es ist der Mensch, der mit seinen ungehemmten Emissionen an Kohlendioxid das Klima verändert. So jedenfalls lesen wir es täglich in den Zeitungen, hören es von Politikern und Umweltgruppen und erfahren es aus den Gesetzen.

Die maßgebliche Schaltstelle für das Thema der Klimaschutzes ist der „Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)“, der auch als „Weltklimarat“ bezeichnet wird. Er wurde 1988 von der UNO und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) als Zwischenstaatliche Organisation gegründet. 195 Regierungen sind Mitglieder des IPCC, dessen Sekretariat sich in Genf (Schweiz) befindet.

Hauptaufgabe des Weltklimarates ist es, die naturwissenschaftlichen Grundlagen und den weltweiten Forschungsstand über die Auswirkungen des Klimawandels sowie Anpassungsstrategien zusammenzutragen und wissenschaftlich zu bewerten. Das IPCC betreibt selbst keine Forschung. In seinem Auftrag tragen  Experten aus aller Welt den aktuellen Wissenstand zu den unterschiedlichen Aspekten des Klimawandels zusammen und bewerten ihn aus wissenschaftlicher Sicht.

Die eigentliche Arbeit des IPCC wird in drei Arbeitsgruppen erledigt: Die Arbeitsgruppe  1 behandelt die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels; die Arbeitsgruppe 2 beschäftigt sich mit den natürlichen und sozioökonomischen Folgen des Klimawandels und mögliche Wege der Anpassung; die Arbeitsgruppe 3 zeigt politische und technologische Maßnahmen zur Minderung des Klimawandels auf.

Die Arbeitsgruppen fassen ihre Ergebnisse in Sachstandsberichten zusammen, die ein mehrstufiges Begutachtungsverfahren (sog. Peer-Review) durchlaufen. Während der Erstellung und Begutachtung sind die Berichte und Kommentare vertraulich. Ist ein Bericht veröffentlicht, können alle Unterlagen eingesehen werden. In der Vollversammlung stimmen die Regierungen über einen Gesamtbericht ab, der Aussagen über zukünftige Klimaänderungen enthält, aber keine konkreten Empfehlungen. 

Der IPCC hat sich mehrfach gegen öffentliche Kritik an seiner Arbeit wehren müssen. Ihm wurde vorgeworfen, dass er von politischer Seite beeinflusst werde und die Behauptungen zum Ausmaß und den Folgen der globalen Erwärmung häufig zu „alarmistisch“ seien. Dass solche Vorwürfe nicht unberechtigt waren, zeigen schon folgende Äußerungen von Personen, die dem IPCC nahe stehen: 

So ist von dem ehemaligen  Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) folgende Äußerung überliefert: „Die Klimaforschung steht am Anfang der internationalen Klimapolitik. Es war die internationale Gemeinschaft der Klimaforscher, die seinerzeit die Politik auf die Gefahr des zunehmenden Treibhausgaseffekts aufmerksam gemacht und letztlich die internationale Klimapolitik erfolgreich angestoßen hat.“ Mit dem Weltklimarat (IPPC) habe die Forschung auch weiterhin ein festes Standbein in der Klimapolitik, fügte Altmaier hinzu. Mit anderen Worten: Die Klimaforschung hatte von Anfang an eine politische Dimension. Es ging ihr darum, menschliches Verhalten als Ursache für die globale Erwärmung nachzuweisen und daraus politische Konsequenzen abzuleiten.

Und zum angeblich unberechtigten Vorwurf des „Alarmismus“ hat der renommierte Klimaforscher Hans von Storch mehrfach auf die äußert dünne Beweislage für den kausalen  Zusammenhang zwischen Klimaerwärmung und Klimakatastrophen hingewiesen. Er mahnte deshalb seine Kollegen, „mit  übertriebenen Katastrophenszenarien werde die Glaubwürdigkeit der Klimaforschung aufs Spiel gesetzt. Das Überverkaufen muss endlich aufhören! Wir müssen nicht nur unsere Wissenschaft kommunizieren, sondern auch die Unsicherheit unseres Wissens“.

2.   Der Treibhauseffekt

Ausgangspunkt für die derzeitige Klimaforschung ist die Tatsache, dass sich die mittlere Temperatur auf der Erde im Industriezeitalter, also innerhalb der vergangenen 150 Jahre, erhöht hat. Laut einer Studie der University of California, Berkeley (BEST-Studie) sollen es 0,8 Grad Celsius sein. Richtig ist auch, dass in dieser Zeit der  Kohlendioxidgehalt in der Erdatmosphäre - wahrscheinlich durch Nutzung fossiler Energien - angewachsen ist. Vor 250 Jahren betrug der CO2-Anteil an der Erdatmosphäre 0,028 Prozent, mittlerweile hat sich der Wert auf 0,039 Prozent erhöht.

Der zeitlich parallel verlaufende Anstieg der Erderwärmung und des CO2-Gehalts in der Atmosphäre erweckt den Anschein, dass zwischen ihnen ein kausaler Zusammenhang zu vermuten ist. Genau dies unterstellen die Klimawissenschaftler in ihren theoretischen Klimamodellen. Die Erklärung dafür liefert der sogenannte Treibhauseffekt, von dem Peter Altmaier gesprochen hat.

Die Erdatmosphäre funktioniert wie das Glas in Treibhäusern: Sie lässt die energiereiche UV-Strahlung der Sonne passieren, nicht jedoch die Wärmestrahlung der Erde. Die in Wärmeenergie umgewandelte UV-Strahlung erhöht deshalb die Erdtemperatur („Treibhauseffekt“). Der Treibhauseffekt ist Voraussetzung für die Entstehung und Erhaltung des irdischen Lebens, weil ohne ihn die mittlere Temperatur auf der Erde bei etwa  minus 18 Grad Celsius  liegen würde.

Die Klimaforscher des Weltklimarat erklären die Erderwärmung damit, dass der Treibhauseffekt in der Atmosphäre mit dem gestiegenen CO2-Anteil stärker geworden ist. Plausibel ist eine solche Annahme aber nicht, wenn man sich die  Zusammensetzung der Atmosphäre ansieht: Unter der Atmosphäre versteht man die im Schwerefeld der Erde festgehaltene Lufthülle, die ein Gemisch von verschiedenen Gasen darstellt. Das Gemisch setzt sich aus 78,08 Anteilen Stickstoff, 20,95 Anteilen Sauerstoff, weniger als 1 Anteil Edelgase und etwa 0,04 Anteil Kohlendioxid sowie Wasserdampf in stark wechselnden Anteilen (0 - 4) zusammen. Wenn sich der Anteil der CO2-Moleküle in der Atmosphäre über die letzten 250 Jahre von etwa 0,03 Anteil auf etwa 0,04 Anteil, also nur um einen Anteil von 0,01, erhöht hat, so dürfte eine so geringe Änderung in der Atmosphäre als Ursache für den Klimawandel ausscheiden.

In diesen Zusammenhang gehört auch die ungeklärte Streitfrage, ob die Veränderung des Erdklimas natürliche Ursachen hat oder durch menschliches Verhalten verursacht wurde. Neben den natürlichen Klimaänderungen, bedingt unter anderem durch die Variabilität der Sonneneinflüsse und Vulkaneruptionen, gibt es vom Menschen verursachte (anthropogene) Klimaänderungen, vor allem durch  Abgase, Emissionen von Kohlendioxid sowie Veränderungen der Vegetation. Zu den möglichen und schon beobachteten Folgen rechnen das Abschmelzen von Gletschern, der Anstieg des Meeresspiegels und die Steigerung der Windgeschwindigkeit.

Nach Meinung des Weltklimarates (IPCC) sind mehr als 50 Prozent der seit fünfzig Jahren zu beobachtenden Erderwärmung von Menschen verursacht. In vielen Klimamodellen wird deshalb eine hohe Sensitivität zwischen den „anthropogenen“ Treibhausgasen, vor allem dem Kohlenstoffdioxid, und der Erderwärmung angenommen. Die andere Hälfte soll auf natürliche Ursachen zurückgehen, was ebenfalls nicht plausibel ist. Denn Kalt- und Warmzeiten mit erheblichen Schwankungen hat es auf der Erde schon gegeben, bevor die Industrialisierung begonnen hat.

Um die Vielfalt der Klimavariationen und die Komplexität der Klimaprozesse sowie die unzähligen Wirkungszusammenhänge wissenschaftlich in den Griff zu bekommen, arbeiten Klimawissenschaftler mit komplexen mathematischen Computer-Modellen mit Zigtausenden von Datensätzen und unzähligen Variablen. Eine entscheidende Variable ist dabei die Sensitivität der anthropogenen Treibhausgase, für die es keine wissenschaftlich abgesicherten Annahmen gib. Mit solchen Modellen wird jedoch simuliert, wie viel Kohlendioxid die Menschheit einsparen muss, damit die Erderwärmung bestimmter Grenzen nicht überschreitet. So einigten sich die 200 Teilnehmerstaaten auf dem Pariser Klimagipfel im Dezember 2015 darauf, die globale Erderwärmung solle „möglichst“ nicht über 1,5 Grad steigen. Dementsprechend sind CO2-Budgets errechnet worden, die angeben, wie viel Kohlendioxid die Menschheit noch emittieren darf, um das 1,5-Grad-Ziel nicht zu verfehlen. 

Die von Klimawissenschaftlern verwendeten Klimamodelle sind umstritten, weil sie wegen der Vielzahl an Daten und ungesicherten Variablen nicht verifiziert werden können. Insbesondere ist nur schwer nachzuweisen, ob globale Klimaänderungen natürliche oder anthropogene Ursachen haben. Die dazu vom Weltklimarat gemachten Annahmen sind Annahmen, aber keine wissenschaftlich begründeten Daten. 

3.   Skeptiker und Kritiker

Zu den schärfsten Gegnern der vom Weltklimarat (IPCC) propagierten Klimapolitik gehört seit Jahren der Kanadier Patrick Moore, einer der Gründungsväter von Greenpeace. Moore leugnet nicht, dass die CO2-Konzentration seit Beginn der industriellen Revolution stark angestiegen ist. Auch an der Tatsache der globalen Erwärmung zweifelt er nicht. Nur behauptet er, das eine habe mit dem anderen nichts zu tun. Es gebe keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass der CO2-Gehalt in der Atmosphäre die Temperatur erhöht habe. Vielmehr sei das Gegenteil der Fall. Moore sagt: "Der CO2-Wert folgt der Temperaturveränderung, nicht umgekehrt."

Laut Moore gibt es viele komplexe Faktoren, die das Klima verändern. Sonnenaktivität gehöre dazu, Wolkenbildung und vieles mehr. Steigt die Erdtemperatur, dann "gasen" die Ozeane mehr CO2 aus. Ein Kohlendioxid-Anstieg sei damit Folge, nicht Ursache der Erderwärmung. Die Grundannahme vieler Klimawissenschaftler, dass Kohlenstoffdioxid Hauptauslöser der globalen Erwärmung sei, ist für Moore eine "Hypothese", nicht mehr. "Eine Korrelation beweist noch keine Kausalität."

Dass die Vereinten Nationen mit dem Weltklimarat die Frage der Ursächlichkeit letztinstanzlich beurteilen können, verneint Moore schon mit Hinweis auf die Statuten des IPCC. Das Gremium habe den Auftrag, ausdrücklich nur den menschlichen Einfluss aufs Klimageschehen zu untersuchen. Für die Erforschung der natürlichen Ursachen des Klimawandels fehle ihm das Mandat, woraus sich ein Interessenkonflikt ergebe: Findet das UN-Gremium keine menschlichen Ursachen der Erderwärmung, verliert es seine Existenzberechtigung und damit die öffentliche Förderung (Daniel Wetzel in WamS vom 17. 12. 2017).

Moore bezweifelt auch die fachliche Kompetenz der vom IPCC beauftragten Wissenschaftler: Gegründet wurde das IPCC vom Weltverband der Meteorologen, laut Moore also "von Leuten, die sich um die Wettervorhersage für die nächste Woche kümmern", aber keine Kompetenz zur Bewertung von Erdzeitaltern besäßen. Geologen, Paläontologen und Astrophysiker würden nicht gefragt. Infolgedessen würden die natürlichen Schwankungen des Klimas (Sonne, El Nino, Ozeane, Vulkane) unterschätzt.

Neben Kritikern wie Patrick Moore wächst unterhalb des klimapolitischen Mainstreams die Zahl der Skeptiker und Kritiker. Es wird bemängelt, dass die Klimawissenschaft aufgrund ihrer Nähe zur Politik nicht unabhängig ist. Belegt wird dies mit wissenschaftlichen Arbeiten, die totgeschwiegen werden, weil sie der offiziellen Linie widersprechen. Der Klimaforscher Hans von Storch warnte, dass „die Einbettung der Wissenschaft in die Politik zu einem Gefängnis (werde), wenn die Nützlichkeit der wissenschaftlichen Ergebnisse für eine bestimmte Politik in den Vordergrund tritt, die Angst vor vermeintlichem Missbrauch durch politische Feinde die Feder führt. Dann werden einige Gedanken inopportun und a priori unplausibel, aber andere opportun und a priori plausibel“.

Die Kritik betrifft auch die Arbeitsweise des Weltklimarates: Seine Vorhersagen über das zukünftige Klima beruhen auf Dutzenden von hochkomplexen Simulationsmodellen, die sich in ihren Methoden und Aussagen erheblich unterscheiden. Um zu einem einheitlichen Ergebnis zu kommen, werden alle Klimamodelle vom Weltklimarat gemittelt und gleichberechtigt in den Vorhersagen berücksichtigt, unabhängig von ihrer Qualität und Fehlerhaftigkeit. Das Errechnen eines solchen Mittelwertes stellte keine anerkannte wissenschaftliche Methode dar, sondern gleicht eher einem politischen Kompromiss.

Kritisiert wird vor allem die hohe Sensitivität des Klimas auf den anthropogenen Treibhauseffekt. Vahrenholdt/Lüning schreiben in ihrem Buch "Die kalte Sonne" (2012): Verglichen mit den kosmischen Gewalten sei der Beitrag des von Menschen verursachten Ausstoßes von Kohlendioxid zur Klimaerwärmung marginal. In jedem Fall müssten die Klimamodelle neu justiert werden.  Denn die Sensitivität des Klimas auf Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid werde  überschätzt,

Der Weltklimarat äußert sich zu solcher wissenschaftlichen Kritik nicht. Er hat die Klimadebatte vielmehr in seinem Sinne "für abgeschlossen erklärt". Ein Diktum, das aus Sicht Moores "in bester wissenschaftlicher Tradition die Skepsis geradezu zur Pflicht macht."

4.   Deutsche Reaktionen

Die Bundesregierung folgt in jeder Beziehung den Berichten des IPCC und hat  den „Wissenschaftlichen Beirat Globale Umweltveränderung (WBGU)“ mit dem Auftrag installiert, geeignete Vorschläge zur Vermeidung einer Klimakatastrophe zu machen

Dem ist der Beirat mit seinem Hauptgutachten aus dem Jahr 2011 nachgekommen: Er schlägt darin eine „Große Transformation der Gesellschaft“ vor, die mit der industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts vergleichbar sein soll. Alles in der Gesellschaft werde sich verändern müssen, „nicht nur Produktions- und Konsumgewohnheiten, sondern auch Anreizsysteme, Institutionen, normative Maximen und Wissenschaftsdisziplinen“. Diese Transformation müsste innerhalb der kommenden zwanzig Jahre stattfinden, weil die Klimaänderung nicht warten würde. Sie ergäbe sich nicht von selbst, sondern erfordere bewusste Planung und den „gestaltenden Staat“. Notfalls müsste sie auch „gegen demokratische Mehrheiten“ durchgesetzt werden.

Inzwischen sind die Vorschläge des Wissenschaftlichen Beirates fester Bestandteil des Regierungsprogramms der großen Koalition geworden. So schrieb Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) in einem persönlichen Beitrag in der FAZ vom 26. Mai 2015: Beim Klimaschutz „geht es um viel mehr als die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien…. Es geht in der Klimapolitik darum, gesellschaftliche Strukturen neu zu denken und neue Geschäftsmodelle für die Wirtschaft zu entwickeln. Dazu braucht es Pioniere, die innovative Konzepte und Techniken nicht nur in Forschung und Entwicklung fördern, sondern erproben, weiterentwickeln und kosteneffizient machen. Deutschland ist entschlossen, dafür auch in Zukunft ein Wegbereiter zu sein.“

Gelegentlich gibt es jedoch auch in Deutschland Politiker, die im Klimaschutz nicht eine Heilslehre sehen, sondern Realpolitiker geblieben sind. Hierzu gehört des sächsische CDU-Abgeordnete Arnold Vaatz (MdB), der die Bundesregierung mahnte: „ Niemand, auch nicht die Bundesregierung, kann sicher wissen, ob eine Klimakatastrophe droht, und wer sie, wenn sie droht, verursacht hätte und ob sie, wenn sie droht, durch Politik vermeidbar wäre. Was wir aber wissen ist, dass die politischen Vorkehrungen zur Verhinderung einer von CO2 verursachten Klimakatastrophe gigantisch und von fraglichem Erfolg sind. Sollte sich die CO2-Annahme als falsch herausstellen, so hätten wir die bisher größte Fehlallokation von Ressourcen und Kapital in der Geschichte der Menschheit verursacht“.


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