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Unternehmer zwischen Profit und Verantwortung
26.12.2015 13:37 (1551 x gelesen)

Unternehmer zwischen Profit und Verantwortung

(23. Januar 2007)

Das öffentliche Bild von Unternehmern und Managern wird nicht nur durch den wirtschaftlichen Erfolg geprägt, sondern ganz entscheidend auch durch das unternehmerische Verhalten. Diese Erfahrung mußte im letzten Jahr exemplarisch der Siemens-Konzern machen. Die Bilanzzahlen waren gar nicht so schlecht, aber in der Öffentlichkeit erlebte der Münchener Konzern ein Desaster nach dem anderen.

Erst trennte sich Siemens von seinem Telefongeschäft und brachte es in ein gemeinsames Unternehmen mit dem finnischen Konkurrenten Nokia ein. Dann wurde bekannt, dass der Aufsichtsrat den Siemens-Vorständen pauschal eine Gehaltserhöhung von 30 Prozent genehmigt hatte. Rund zehn Tage später ging BenQ pleite, jenes Unternehmen aus Taiwan, an das Siemens zuvor seine Handy-Sparte verkauft hatte. Mindestens 1.900 Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz. Und zu allem Überfluss holte Siemens dann auch noch die Korruptionsaffäre ein. Ein PR-Gau nach dem anderen. Trotz guter Zahlen ein schlechtes Jahr für Siemens. Siemens-Chef Klaus Kleinfeld war der böse Bube, der es sogar auf die erste Seite der Bild-Zeitung schaffte.  

Solche Vorgänge beschädigen nicht nur das Ansehen von Konzernbossen, sonder verstärken das vorhandene Ressentiment in der Gesellschaft gegenüber Unternehmern allgemein. Über Jahrzehnte war die Öffentlichkeit davon überzeugt, dass der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens Arbeitsplätze sichert und höhere Löhne garantiert. Inzwischen sind immer weniger Leute davon überzeugt, dass auch die Menschen profitieren, wenn es der Wirtschaft gut geht. "Nichts ist der Bevölkerung so unheimlich wie die Beobachtung, dass Arbeitsplätze selbst in Unternehmen, denen es gut geht, nicht mehr sicher sind", hat das Meinungsforschungsinstitut Allensbach in einer Umfrage festgestellt.

Zu denken gibt insbesondere, dass trotz der guten Wirtschaftsentwicklung die Distanz zwischen Bürgern und Wirtschaft wächst. Laut Allensbach bestreitet heute eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung, dass Deutschland eine Soziale Marktwirtschaft hat. Immer weniger Menschen sind davon überzeugt, dass Wirtschaft und Bevölkerung in einem Boot sitzen. Immer mehr glauben, dass Wirtschaft und Bevölkerung letztlich gegensätzliche und unvereinbare Interessen haben. Eine Unternehmensstrategie, die einseitig auf die Steigerung der Produktivität setzt, wird von vielen Menschen eher als Bedrohung und nicht als Sicherung von Arbeitsplätzen verstanden. Schlüsselworte wie "Rationalisierung" oder "Globalisierung" sind für die Mehrheit Reizworte. 

Es ist deshalb Zeit, sich mit Fragen der Verantwortung und dem öffentlichen Bild von Unternehmen zu beschäftigen. Die primäre Verantwortung des Unternehmers in einer Marktwirtschaft besteht darin, die Kunden mit Gütern und Dienstleistungen zu versorgen und dadurch Gewinn zu erzielen. Völlig falsch ist die in der Öffentlichkeit vorherrschende Meinung, Unternehmen seien dazu da, Arbeitsplätze zu schaffen und Steuern zu zahlen. Arbeitsplätze entstehen und Steuern können gezahlt werden, wenn die Unternehmen am Markt erfolgreich sind und Gewinne erzielen.

Die Hauptaufgabe des Unternehmers ist also die wirtschaftliche Wertschöpfung; sein zentraler Auftrag ist es, das Brot zu vermehren, nicht es - im Zeichen etwa der "sozialen Gerechtigkeit" - zu verteilen. Die Unternehmer erzeugen "das Brot" - und die Politiker schneiden es dann zurecht. Was wir heute vor allem brauchen, ist eine Unternehmensethik des "Mehren", keine des "Rationieren und Teilen". Dabei geht es um drei Verantwortungsebenen:

  • Die erste Ebene läßt sich mit dem Begriff des "ehrbaren Kaufmanns" beschreiben. Wir dürfen erwarten, dass die Unternehmer die kaufmännischen Tugenden wie Ehrlichkeit, Vertragstreue und Mäßigung bei ihrem Handeln beachten. Dies gilt auch in einer globalisierten Welt.
  • Die zweite Ebene betrifft die Frage, wem gegenüber Unternehmen Verantwortung tragen. Hier gehen die Vorstellungen auseinander. Während die angelsächsischen Länder den Zweck des Unternehmens darin sehen, den Nutzen der Eigentümer zu mehren, entspricht es europäischer Auffassung, dass die Unternehmen auch Verantwortung gegenüber Kunden und Lieferanten, Mitarbeitern und Kapitalgebern sowie dem Staat haben.
  • Die dritte Ebene der unternehmerischen Verantwortung ist das bürgerschaftliche Engagement. Dieses folgt dem Motto: "Frage nicht, was das Land für Dich tun kann, sondern frage, was Du für das Land tun kannst!"

Unternehmen können nur dann Verantwortung übernehmen, wenn ihnen auch die Chance gegeben wird, wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Und damit bin ich bei der Politik. Erfolgreiche Unternehmen benötigen marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen, die ihnen die nötige Handlungsfreiheit gibt. Freiheit und  Verantwortung sind auch in der Wirtschaft zwei Seiten einer Medaille.

Wer die Unternehmen also stärker in die Verantwortung nehmen will, muss gleichzeitig sagen, wie er sie von bürokratischen Fesseln befreien und von Steuern und Abgaben entlasten will. Wenn der Staat immer mehr regelt und die Abgabenquote weiter erhöht, läßt er den Unternehmen wenig Spielraum für verantwortliches Handeln.

  

  


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