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Qualifiziertes Personal als Schlüsselressource
26.12.2015 15:58 (1583 x gelesen)

Qualifiziertes Personal als Schlüsselressource

(Commerzbank am 19. Februar 2007)

Strukturwandel und Globalisierung prägen die Wirtschaft. Die Unternehmen stehen unter erheblichem Wettbewerbs- und Kostendruck. Die Anpassungsstrategien bewegen sich zwischen Kostenreduzierung und Innovationsmanagement. Kostenreduzierung ohne Innovation bedeutet Personalabbau. Innovationsstrategien scheitern häufig an den personellen Ressourcen. Wo ist der Ausweg?

In einer modernen und hoch technisierten Wirtschaft ist qualifiziertes Personal die Schlüsselressource, an der das Überleben und die Zukunft der allermeisten Unternehmen hängen. Dies gilt insbesondere für den Mittelstand, der einen hohen Dienstleistungsanteil aufweist. Die Aus- und Weiterbildung des Personals hat deshalb im Mittelstand traditionell einen hohen Stellenwert. Die bisherigen Anstrengungen reichen aber offensichtlich nicht aus, wie die Klagen über Engpässe beim qualifizierten Personal zeigen.

An den Unternehmensbilanzen ist nicht zu erkennen, ob die Unternehmen über ausreichend qualifiziertes Personal verfügen. Es besteht zwar weitgehend Konsens, dass es sich bei den Aufwendungen für die Aus- und Weiterbildung um Investitionen in die Zukunft des Unternehmens handelt. Im Unterschied zu Kapitalinvestitionen, die das Unternehmensvermögen erhöhen, stellen Investitionen in das Personal aber Aufwand dar, der das Vermögen mindert. Aus dem Bilanzbild ergibt sich deshalb nicht, über welches "Humankapital" ein Unternehmen verfügt.

Dies gilt insbesondere für Dienstleistungsunternehmen, deren Leistungskraft in besonderer Weise von der Qualifikation seines Personals abhängig ist. Während die Arbeitnehmer in Produktionsunternehmen mit der Herstellung von Waren beschäftigt sind, werden die Leistungen der Mitarbeiterin Dienstleistungsunternehmen direkt gegenüber den Kunden  vermarktet. Die Qualifizierung des Personals stellt  deshalb zugleich eine Verbesserung des Produkts dar. 

Dienstleistungsunternehmen stellen deshalb auch andere Anforderungen an die Organisation und Führung des Betriebes. An die Stelle von Hierarchien treten Kooperationsverhältnisse. Aus den Arbeitnehmern werden Mitarbeiter und Partner. Denn der Unternehmenserfolg insgesamt hängt maßgeblich, wenn auch unterschiedlich, von dem Wertschöpfungsbeitrag des jeweiligen Mitarbeiters ab. Dies erklärt auf der einen Seite den starken Wettbewerb um qualifiziertes Personal und auf der anderen Seite die Bemühungen um interne und externe Qualifizierung. Immer geht es darum, die Effizienz und Produktivität des Personals zu verbessern.

Mit der Bedeutung der Ressource Personal hat sich auch der Stellenwert der Personalplanung und -führung verändert. Aus einer nachrangigen Bedarfsplanung ist mehr und mehr  eine Investitionsplanung geworden. Wer wachsen will, benötigt qualifiziertes Personal. Außerdem müssen die "Instrumente" wie  Mitarbeitergespräche, Zielvereinbarungen, materielle Anreize pp. weiterentwickelt und zweckmäßig eingesetzt werden, um Motivation und Bindung der Mitarbeiter zu erhalten und zu stärken.

Der Mittelstand ist  bei der Rekrutierung qualifizierten Personals durchaus wettbewerbsfähig. Personalpolitik in mittelständischen Betrieben hat häufig eine persönliche Note. Der Mitarbeiter ist nicht nur betriebswirtschaftlich wertvoll, sondern wird auch als Person akzeptiert. Die Arbeit erhält dadurch auch eine persönliche Sinnstiftung, wie es Oswald von Nell-Breuning gefordert hat: "Zur Arbeit gehört ein Sinn oder Ziel, um dessen Willen man arbeitet. Anderenfalls ist es keine Arbeit."

Eine solche Personalführung stellt in Rechnung, dass der Mitarbeiter nicht nur als zweckrationales Wesen behandelt, sondern als soziales und emotionales Wesen angesprochen werden will. Hier liegt die Chance, aber auch die besondere Verantwortung des mittelständischen Unternehmers. Arbeitnehmer suchen nicht nur einen Arbeitsplatz, sondern auch eine betriebliche Heimat, Geborgenheit, auch Orientierung. Ein gutes Betriebsklima, familiengerechte Arbeitsbedingungen und eine gelebte Unternehmenskultur sind deshalb heute unverzichtbar.

Dies macht die Unternehmen nicht nur menschlicher, sondern auch effektiver. Qualifizierte und motivierte Mitarbeiter sind zudem auch flexibler. Beides, Effektivität und  Flexibilität, sind angesichts des heutigen Strukturwandels und des harten Wettbewerbs Voraussetzungen für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. "Verantwortungsvolle Führung  durch Dienen" ist eine weitere Voraussetzung: Denn "man beherrscht den Menschen nur, indem man ihm dient. Diese Regel hat keine Ausnahme" (Victor Cousin, politische Diskurse).

      

  


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