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Stadtentwicklung im Wandel - Einführung
07.01.2016 18:20 (1556 x gelesen)

Stadtentwicklung im Wandel

(Einführung am 16. Juni 2011 im Übersee-Club Hamburg)

Der Österreicher Joseph Alois Schumpeter (1883 - 1950) sieht in dem "dynamischen Unternehmer" die zentrale Kraft, ohne die es keinen technischen und wirtschaftlichen Fortschritt in der Gesellschaft geben kann. Die unternehmerische Aufgabe sieht er darin, mit Kreativität und Innovationen für einen ständigen Prozess der "schöpferischen Zerstörung" zu sorgen, bei dem neue und bessere Produktionsverfahren und Waren die alten Produktionsverfahren und Waren verdrängen.

Bei der Stadtentwicklung übernimmt diese Rolle der "Projektentwickler". Auch er hat den Auftrag, einen Prozess der "schöpferischen Zerstörung" in Gang zu setzen, wenn Stadtregionen, die in die Jahre gekommen sind, neu beplant und modernisiert werden sollen. Als Stadtentwickler muss er die Mängel des bestehenden Standortes erkennen und über die Kreativität verfügen, daraus etwas Neues und Besseres zu machen.

   

Die Aufgaben eines Entwicklers von Innenstadtprojekten sind besonders komplex und spannungsreich. Man bewegt sich in einem Umfeld mit vielen Beteiligten und unterschiedlichen Interessen. Große Hürden sind regelmäßig die Investorenauswahl durch die Kommune und die Festlegung der Rahmenbedingungen für das Projekt. Gelegentlich erfolgt dies in einem Prozess, der von der Kommune als  "wettbewerblicher Dialog" organisiert wird. Im Kern geht es  darum, den Investor auszuwählen, dessen Konzept überzeugt und dem die Kommune zutraut, dass er das Projekt kooperativ umsetzen wird. 

Der Trend von der Neuentwicklung zur Bestandsentwicklung bringt es mit sich, dass die "soziale Kompetenz" des Entwicklers bei der Investorenauswahl eine immer größere Rolle spielt. Denn die Revitalisierung von innerstädtischen Standorten ist regelmäßig mit der Veränderung oder Zerstörung von Altsubstanz verbunden, so dass bei Eigentümern, Mietern, Nachbarn und der Öffentlichkeit mit Widerständen zu rechnen ist. Techniken zur Einbindung dieser Personengruppen gehören deshalb zum unverzichtbaren Repertoire eines Entwicklers.

Immer geht es bei der Innenstadtentwicklung auch um die Frage nach dem städtischen "Leitbild" und damit um Stadtpolitik. Historisch waren Städte gegenüber dem "Land" immer ein Ort der Dynamik: Nach dem Motto "Stadtluft macht frei" trafen in den Städten Menschen aus unterschiedlichen Ständen, Regionen und Berufen aufeinander. Erst auf diesem Hintergrund konnten sich Arbeitsteilung und Geldwirtschaft gegenüber der Eigenversorgung durchsetzen. Insofern waren Städte "die Hebamme der Marktwirtschaft" (Straubhaar) und der Treibsatz für Innovationen und Wohlstand.

Der Harvard-Professor Edward Glaeser beschreibt in seinem Buch "Triumph of the City" Städte als die größte Erfindung der Menschheit, die uns "reicher, angenehmer, grüner, gesünder und glücklicher" gemacht hat, trotz der negativen Seiten wie Verdichtung, Stau oder Lärm. Die ökonomische Effizienz der Städte hält er für unübertroffen. Den Grund sieht er in den Netzwerken und Fühlungsvorteilen. 

Mit dem Blick in die Vergangenheit und auf die Gegenwart ist aber die Frage nach der Zukunft der Städte noch nicht beantwortet. Wollen wir eine "wachsende Stadt" mit mehr Arbeitsplätzen, Wohnungen und Infrastruktur? Oder wünschen wir uns eine kreative Stadt als Ort der Kultur, der Erlebnisse und der Integration? Hierzu gibt es in der Politik durchaus kontroverse Vorstellungen. Die einen verstehen die Stadt eher als Standort wirtschaftlicher Betätigung, die anderen sehen darin vor allem einen Ort kultureller und sozialer Begegnung.

Angesichts des Wandels der Arbeitswelt von der Industriegesellschaft zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft erscheint diese Auseinandersetzung jedoch reichlich antiquiert. Der moderne Arbeitsplatz wird nicht mehr durch das Fließband, sondern durch den Schreibtisch geprägt. Der historische Gegensatz von Wirtschaftswachstum und Kreativität hat sich dadurch weitgehend aufgelöst. Er taugt vor allem nicht mehr bei der Festsetzung von Stadtentwicklungszielen. Politisch wird jedoch weiter gekämpft. Denn Parteien sind Verbände, die strukturell rückwärtsgewandt denken und handeln. Ganz nach dem Motto: "Da vorn läuft mein Volk, ich muss ihm nach. Schließlich bin ich sein Führer." 

  


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